Der Nutzhanf, dessen Anbaufläche sich erfreulicherweise stark vermehrt, bietet für viele Probleme eine Lösung. Dieser Artikel soll ein paar Denkanstöße liefern. Es ist erforderlich, dass mehr Hanf angebaut wird!

Wer Hanf hört, denkt häufig: "Ach, diese Kiffer schon wieder!" - nicht ahnend, dass die bequemen Segelschuhe, die so schön zum ungebleichten, biozertifizierten Linnenbeinkleid passen, möglicherweise aus Hanffasern hergestellt wurden.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war der Hanfanbau in den USA ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, bis die Hanffaser nach und nach von der Baumwolle abgelöst wurde. Als dann Segeltuch in der Schifffahrt durch Dampfmaschinen verdrängt wurde, beschränkte sich die Hanfnutzung auf die Seilerei, bis auch dort schließlich die Kunstfaser Einzug hielt. Beinahe vollständig zum Erliegen kam der Hanfanbau, als Harry Anslinger seine Anti-Marihuana-Kampagne begann und der Hanfanbau verboten wurde. In Europa gab es THC-freie Nutzhanfsorten, die jedoch im Zuge des vollständigen Hanfverbotes ab 1982 an Bedeutung verloren. Wichtiger Produzent für Industriehanf war die Sowjetunion, wo die Anbaufläche aber nach dem Zerfall um 2/3 schrumpfte. Seit 1996 ist in Deutschland der erlaubnispflictige Nutzhanfanbau wieder möglich.
Der Nutzhanf, der so gut wie kein THC enthält, sich also nicht zur Berauschung eignet, besitzt unglaublich viele Anwendungsmöglichkeiten, die hier grob umrissen dargestellt werden sollen. Er taugt als Nahrungsmittel, ja sogar als "Superfood", ist als Bau- und Dämmstoff geeignet, erzeugt pro Hektar mehr Biomasse als jeder Wald, er ist als Rohstoff für Papier, Kleidung und Kosmetik verwendbar und die Reste eignen sich als Kompost, Stalleinstreu und Bodenlockerungszusatz. Aus den Samen lassen sich hochwertige Öle mit hohem Omega-3-Anteil gewinnen und verschiedene Cannabinoide und Flavoalkaloide machen Hanf zu einer wirksamen Arznei.

Was kann Hanf denn nun? Im Grunde sind sämtliche Teile der Pflanze ergiebig nutzbar.
SAMEN
- Die Hanfsaat ist ein wahres Kraftpaket. Sie enthält 30-35% Öl, 20-25% Protein, ca. 35% Kohlehydrate und viele Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe.
- Als Nahrungsmittel einsetzbar (roh, geröstet, gemahlen, entölt) führt Hanfsaat - je nach Verwendung - dem Körper hochwertige, kurzkettige Fettsäuren (Omega-3) zu.
- Dient als Eiweißlieferant und Rohfaserquelle.
- Gemahlene Hanfkörner können zum Backen und Kochen genutzt werden.
- Das Hanföl kann zur Raffinade von hochqualitativen Funktionsölen genutzt werden oder als Basis für Biotreibstoffe dienen. Außerdem lassen sich daraus hochwertige und kompostierbare Kunststoffe sowie Farben herstellen.
- Hanfsamen eignen sich hervorragend als nachhaltig erzeugtes, hochwertiges Tierfutter, das nicht aus fernen Ländern importiert werden muss (z.B. Soja, Maniok usw.)
BLÄTTER
- Hanfblätter lassen sich zu schmackhaften Tees verarbeiten, als Salatbeilage verzehren und als Zutat z.B. für Smoothies zum Einsatz kommen.
- In der Naturarznei können die aus Blättern und Blüten gewonnenen Cannabinoide (z.B. CBD, CBN, CBG u.a.) im Zusammenwirken mit diversen Flavoalkaloiden ein breites Wirkungsspetrum entfalten und die Heilung unterstützen sowie Krankheiten vorbeugen.
- Aus Hanfblättern lassen sich Füllungen für Heimtierbetten herstellen, außerdem können die industriellen Überbleibsel als Stalleinstreu genutzt, sowie zur Bodenlockerung und Humusbildung eingesetzt werden.
STAMM
- Die Hanffasern lassen sich zu nachhaltig erzeugten Textilien verarbeiten, bei der Herstellung verbraucht Hanf ca. 80% weniger Wasser als Baumwolltextilien bei doppeltem Ertrag. Die Hanffaser ist haltbarer und weniger umweltschädlich.
- In der papierverarbeitenden Industrie ist Hanf stets die bessere Wahl. Hanf braucht zur Erntereife etwa 120 Tage, Nutzholz bis zu 80 Jahre. Hanf als Zellstofflieferant bringt in einer Ernte mehr Material als vergleichbare Waldfläche in 25 Jahren.
- Die Fasern sind länger und stabiler als z.B. bei Holz. Hanfpapier ist 7x reyclebar, Holzpapier nur 4x
- Neben bekannten Anwendungen (z.B. als Dichthanf im Installateurhandwerk) und als Dämmstoff (auch als sog. "Hanfbeton") wird Hanffaser neuerdings im Batteriebau eingesetzt (als B4C-Hanf in Lithium-Schwefel-Batterien)
WURZELN
- Die Hanfwurzel bietet erstaunliche Anwendungsmöglichkeiten als Arznei. Bereits im antiken China wurden aus pulverisierten, gekochten Wurzeln Wundauflagen und Cremes hergestellt, die besonders bei Hautirritationen nutzbringend waren.
- Die Wurzeln können getrocknet und gemahlen zum Aufkochen von Tees genutzt werden, oder das Pulver wird in Leerkapseln verfüllt und als diätunterstützendes Mittel vor den Mahlzeiten genommen, um dem Körper Rohfaser zuzuführen und so die Nährstoffdichte der Nahrung zu reduzieren, was die Darmtätigkeit (Peristaltik) positiv beeinflusst.
ERTRAG
Die Ernte von Hanfäckern kann sich sehen lassen. Die Saatstärke kann von 5-30kg pro Hektar variieren, der Boden sollte über 35 Punkte haben. Ein Hektar Nutzhanf kann (anbauabhängig) pro Hektar liefern:
- 1-1,5 t Körner (ca. 800,- €/t)
- 7-12 t Hanfstroh (ca. 200,- €/t)
- davon bis zu 4 t Fasern
- Deckungsbeitrag: ca. 1000,- €/ha
- Co2-Absorption: 22 t/ha
- CO2-Bindung (Hanfbeton) bis zu 110kg/qm Wand
Weitere Fakten[*]:
- Derzeit bauen mehr als 600 Betriebe auf über 7000 Hektar mehr als 100 Sorten Nutzhanf an.
- Wird in der Fruchtfolge auf einem Hanfacker dann Weizen angebaut, steigert das den Ertrag um 10-20%.
- Der Deckungsbeitrag pro Hektar liegt bis zu 3-8x höher als der klassischer Feldfrüchte (z.B. Getreide).
- Hanf ist relativ anspruchslos, der Düngerbedarf beträgt N=160kg/ha, P=40-100kg/ha, K= 100-180kg/ha (Vergleich: Weizen NPK 260/230/210 kg/ha).
- Er reinigt die Böden, seine tiefe Verwurzelung (bis über 2 m tief) schafft ein gutes Bodenkapillarsystem mit förderlichem Mikrobenbesatz, der sich mit Einsatz von Mykorrhizakulturen noch optimieren lässt.
FAZIT
Nutzhanf kann mit entsprechender Förderung zur wichtigsten landwirtschaftlich genutzten Pflanze werden. Seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten machen ihn zum optimalen Rohstofflieferanten für die Industrie. Geringer Durst und Nährstoffhunger und der dichte, beiwuchshemmende Aufwuchs helfen, Wasser, Düngemittel und Herbizide erheblich zu verringern, was neben dem Kostenfaktor auch sehr positive Auswirkungen auf die Umwelt hat. Hanf lässt sich in Biokläranlagen zur Wasserreinigung nutzen und das geerntete Material kann in Biogasanlagen zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Die Reste lassen sich kompostieren und wieder der Natur zuführen.
FORDERUNG:
Bringt den Hanf auf die Felder! Unsere Landwirtschaft ist zu sehr auf Biomasse-Monokulturen fokussiert. Hanf kann in einer sinnvoll geplanten Fruchtfolge helfen, sich aus diesem Kreislauf zu befreien. Hanf schafft Nahrung, Gewerbe, Arbeitsplätze, Co2-Bindung. Der Anbau von Nutzhanf muss erlaubnisfrei ermöglicht werden, um eine Wende in der Landwirtschaft herbeizuführen

Foto: Nutzhanfplantage in Schleswig-Holstein als Winterfutter für Wild in 2012
[*] Auswertung der Quelle: https://cannabiswirtschaft.de/wp-content/uploads/2025/02/ELEMENTE-19-Zahlenwerk-Industriehanf_v1.5.pdf
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